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©  Spex&Moses | Crispin-Iven Mokry

Aktuelles

Rechte Medien

Ein Gespräch mit dem Mediensoziologen Dr. Felix Schilk über aggressive Botschaften, rechte Ideologien und Gegenstrategien.

Dr. Felix Schilk ist Soziologe am Institut für Medienwissenschaften in Tübingen und forscht zu Rechtsextremismus, Desinformation, extrem rechten Medien sowie deren Strategien und Netzwerken.

Neben rechten Memes und KI-generierten Hasspostings im Internet versuchen Rechte ihre Botschaften auch über klassische Printmedien und Radio zu verbreiten. Wie viel Hass und Hetze stecken mittlerweile in unserer Medienlandschaft?

Dr. Felix Schilk: Das ist schwer zu beziffern und ich bin skeptisch, ob es tatsächlich so viel mehr ist als früher. Durch die sozialen Medien sind aggressive Botschaften zwar deutlich sichtbarer. Vieles von dem, das wir heute sehen, hat es aber auch schon vorher gegeben.

Hat dann das, was heute medial stattfindet, nur eine andere Präsenz? 

Wir haben es mit einem gesamtgesellschaftlichen Rechtsdruck zu tun, der sich auf vielen Ebenen zeigt. Das wirkt sich natürlich auch auf die Medien aus. Jetzt kann man diskutieren, was Ursache ist und was Wirkung – und wahrscheinlich sind die Medien beides zugleich. Von daher würde ich schon sagen, dass in den letzten Jahren rechte Positionen in den Medien normalisiert wurden und sie deshalb heute auch stärker präsent sind. Gleichzeitig sind extrem rechte Akteure sehr geschickt dabei, Medien und Journalist*innen für sich einzuspannen, sie mit ihren Inhalten zu bespielen und den medialen Diskurs dadurch zu beeinflussen und zu prägen. Wichtig ist, dass rechte und rechtsextreme Akteure schon immer äußerst medienaffin gewesen sind. Ob das jetzt früher das Radio war, das Fernsehen, Zeitschriften oder heute die sozialen Medien und KI.

Wie ist das zu erklären? 

Liberale und linke Akteure schauen häufig skeptischer auf neue Technologien und diskutieren, wie sie diese ethisch korrekt einsetzen können. Das verlangsamt dann auch ihren Einsatz. Die extreme Rechte ist generell skrupelloser und hat selten ethische Bedenken. Das hat zur Folge, dass sie experimentierfreudiger und dadurch auch sichtbarer und schneller ist als andere politische Akteure. Hinzu kommt, dass sich in den Sozialen Medien alle an der Produktion rechter Inhalte beteiligen können. Das setzt Kreativität frei und man kann fast in Echtzeit beobachten, welche Formate und Inhalte gut funktionieren und viral gehen.

Wie lassen sich rechte bis rechtsextreme Medien definieren? 

Das Feld der rechten Medien ist heterogen. Es reicht von Medien, die vor allem den rechten Rand der CDU ansprechen wollen, wie etwa Nius, bis hin zu offen rechtsextremen Medien, die auch Geschichtsrevisionismus und harte Verschwörungstheorien verbreiten wie beispielsweise Compact.

Hinzu kommt eine Vielzahl von Online-Blogs, die sich im Laufe vieler Jahre eine große Leserschaft aufgebaut haben. Sie wurden häufig von Einzelpersonen ins Leben gerufen, haben sich professionalisiert, eine eigene Redaktion aufgebaut und sind zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden, das über Werbeeinnahmen oder den Verkauf von Produkten viel Geld abwirft. Tichys Einblick oder Alexander Wallasch wären Beispiele dafür.

Dann gibt es Medienredaktionen wie Auf1 oder Nius mit einer klaren politischen Agenda und Kapital im Hintergrund, die in kurzer Zeit von Null auf 100 aus dem Boden gestampft wurden. Auf1 versucht, mit Empörungsjournalismus, Verschwörungstheorien und Protestberichterstattung ein Feld zu bespielen, das vermutlich auch wirtschaftlich attraktiv ist. Nius verfolgt gar nicht unbedingt eine ökonomische Absicht. Es ist das Projekt eines Multimillionärs, der viel Geld für Kampagnenjournalismus ausgibt, um bestimmte Themen medial zu setzen und einzelne Abgeordnete und Parteimitglieder am rechten Rand der CDU zu beeinflussen.

Schließlich gibt es noch die Medienprojekte mit sehr jungen Redaktionen wie Apollo News, die ideologisch eher rechtslibertär ausgerichtet sind, weniger populistisch und krawallig auftreten und sich um ein seriöses Auftreten bemühen. Die sind als Schülerzeitung gestartet und wurden zuerst von Tichys Einblick und dann von Julian Reichelt, dem Chefredakteur von Nius, unterstützt.

Nius sendet inzwischen im digitalen Radio und hat 2025 eine Lizenz der Medienanstalt Berlin-Brandenburg erhalten. Welche Rolle spielen klassische Verbreitungswege wie Radio, TV und Zeitungen für rechte Medien? 

Diese verschiedenen Medienformate ergänzen sich und bedienen unterschiedliche Zielgruppen. In den USA ist das Radio in den 1990er Jahren ein zentrales Medium gewesen, um das vorzubereiten, was wir heute als MAGA-Bewegung (Make America great Again) sehen. Vieles davon geht zurück auf extrem rechte Radiomoderatoren, die bei den Zuhörenden kontinuierlich rechte Narrative verfestigt haben. Dass Nius jetzt ebenfalls aufs Radio setzt, hängt womöglich damit zusammen, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Medien nicht wirtschaftlich arbeiten müssen.

Das Tolle am Radio ist, dass es ein Medium ist, was viel subtiler funktioniert als beispielsweise soziale Medien. Das Radio lässt man eher im Hintergrund laufen, während man zu Hause ist oder Auto fährt. Umfragen zeigen, dass das Radio als weniger polarisiert und tendenziell unpolitischer wahrgenommen wird als andere Medien. Es genießt deshalb ein anderes Vertrauen als Zeitungen und Zeitschriften. Das wird sich zunutze gemacht.

„Wer bewusster mit Medien umgeht, geht auch bewusster mit rechten Medien um, die auf Empörung, auf gesellschaftliche Triggerpunkte und auf Desinformation setzen.“

Immer weniger Menschen lesen gedruckte Tageszeitungen und sparen sich ein Abo. Welchen Einfluss hat das? 

Der Vorteil von vielen dieser rechten Alternativmedien ist ja, dass sie kostenlos daherkommen. Manche haben auch Abo-Modelle, aber viele Beiträge, bei denen eine große Reichweite gewünscht ist, liegen bewusst nicht hinter einer Paywall. Das macht es natürlich erstmal leichter, diese Inhalte zu teilen und zu lesen. Ich muss mich auch nicht langfristig verpflichten, wie das vielleicht bei einem Zeitungsabo der Fall ist.

Interessant ist, dass einige dieser Medien versuchen, auch seriöse Beiträge bis hin zu investigativen Recherchen zu veröffentlichen. Ein Beispiel ist eine Reportage von Apollo News über den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Diese Formate dienen dazu, Glaubwürdigkeit aufzubauen. Es würde mich nicht überraschen, wenn diese Medien in Zukunft auch auf lokaler Ebene versuchen, Skandale aufzudecken, um bei der lokalen Bevölkerung einen Vertrauensvorschuss aufzubauen.

Welche Rolle spielen rechte Livestreamer? 

Multimedia-Equipment ist in den letzten Jahren günstiger und leichter verfügbar geworden. Es ist heute ziemlich einfach, zu Veranstaltungen oder Demonstrationen zu gehen und von dort zu streamen. Dadurch ist ein neues Betätigungsfeld für Ein-Mann-Unternehmen entstanden; für Menschen, die selbst aus einem aktivistischen Spektrum kommen und dort ihren Lebensunterhalt verdienen. Bekannte Beispiele für rechte YouTube-Streamer sind unter anderem Weichreite TV (236.000 Abonnent*innen), Utopia TV (102.000 Abonnent*innen) oder Björn Banane (66.000 Abonnent*innen).

Die produzieren einerseits unfassbar viel Material, das sich auch gut für virale Kurzvideos eignet, und verschaffen rechten Demonstrationen und Kundgebungen so eine mediale Überpräsenz, die sie größer und relevanter erscheinen lässt als sie eigentlich sind. Und dann fungieren sie natürlich auch als Multiplikator für eine ganze Reihe rechter Alternativmedien. Sie sind miteinander vernetzt, featuren und verlinken sich gegenseitig. Im Hintergrund findet zudem eine Vernetzung auf Telegram, in rechten Chatgruppen und auf YouTube statt, wodurch die Inhalte ebenfalls gepusht werden.

Wie funktioniert diese Vernetzung? 

Ein wichtiges Strukturmerkmal dieser rechten Medienlandschaft ist, dass hier sehr viele Multiplikator*innen bereitwillig Inhalte in sozialen Medien und in Chatgruppen teilen, zum Beispiel in Familiengruppen. Dadurch entsteht eine dezentrale informelle Infrastruktur, die entscheidend zur Reichweite dieser Medien beiträgt. Das ist sehr relevant für das Vorfeld der AfD und das funktioniert dort meines Erachtens wesentlich besser als in anderen politischen Lagern.

Die AfD hat sehr früh deutlich mehr Ressourcen in die Öffentlichkeitsarbeit investiert, auch im Brandenburger Landtag. Da lag der Fokus nicht auf der inhaltlichen Arbeit in den Ausschüssen, sondern auf permanenter lokaler und medialer Präsenz.

Welche Korrektive gibt es denn, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten?

Medien sind für eine demokratische Kultur unverzichtbar: Gerade auf lokaler Ebene sind sie wichtig, um etwa Politik und Verwaltung zu kontrollieren. Sie sorgen für Transparenz und können Skandale und Machtmissbrauch aufdecken. Wir sollten uns bewusst machen, dass journalistische und kritische Medien nicht kostenfrei arbeiten können und dass sie einen strukturellen Nachteil gegenüber rechten Empörungsmedien haben. Es ist deshalb z.B. wichtig, Lokalzeitungen durch Abos zu unterstützen, selbst wenn man die Zeitungen nicht täglich liest oder sich auch mal ärgert.

Außerdem müssen wir die Mechanismen verstehen, nach denen Medien arbeiten: in welchen Zwängen sie stecken, wie Medienkampagnen funktionieren, welche Strukturen und Finanzierungsmodelle hinter ihnen stehen. Diese Form von Medienkompetenz ist vielleicht sogar wichtiger als sich immer inhaltlich an rechtsextremen Medien abzuarbeiten. Wer bewusster mit Medien umgeht, geht auch bewusster mit rechten Medien um, die auf Empörung, auf gesellschaftliche Triggerpunkte und auf Desinformation setzen.

Was ist, wenn die Medien, auf die man sich eigentlich verlassen würde, selbst unter Druck stehen und angefeindet werden?

Der Ton ist überall rauer geworden, das ist eine direkte Folge des gesellschaftlichen Rechtsrucks. Wir sollten uns daher solidarisch vor Medien stellen, wenn sie angegriffen oder diffamiert werden. Es ist aber genauso wichtig, gute Berichterstattung positiv hervorzuheben. Ich glaube, das macht bei der Vielzahl negativer Rückmeldungen und Angriffe, die ja auch die Wahrnehmung in den Redaktionen verzerrt, schon viel aus. Also Leserbriefe schreiben, Kommentare verfassen, Medienrückmeldungen geben und eine Berichterstattung, die man aus demokratischer Sicht für gut hält, bestärken.

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