Vortrag: Sowjetische Kriegsgefangene in Lagern der Wehrmacht und der SS 1941-1945

23. März 2017
18:30 Uhr
Oranienburg, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Besucherzentrum, Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg
März

Zwischen 1941 und 1945 kamen im Zuge des Vernichtungskriegs der deutschen Wehrmacht gegen die Sowjetunion rund drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam ums Leben. Sie stellen nach den Juden die größte Opfergruppe der NS-Herrschaft in Europa dar.

Etwa eine halbe Million sowjetischer Kriegsgefangener gelangte bis Ende 1941 in „Russenlager“ im Reich. Auch in diesen Lagern kam beinahe die Hälfte durch grobe Vernachlässigung und gezielte Mordaktionen ums Leben. Dazu zählen auch die rund 38.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die als angeblich aufrührerische und bolschewistische „Elemente“ von der Gestapo ausgesondert und in den der SS unterstellten Konzentrationslagern ermordet wurden. Mehr als 10.000 von ihnen wurden im Herbst 1941 im KZ Sachsenhausen erschossen.

Dr. Rolf Keller hat intensiv zu sowjetischen Kriegsgefangenen geforscht und publiziert. Dabei lösten 2011 seine Zahlenangaben eine kritische Kontroverse in Fachkreisen aus. Auch seine These, dass das Massensterben in den Kriegsgefangenenlagern weniger eine Folge gezielter Vernichtungspolitik, sondern eher der Überforderung und Inkompetenz der beteiligten Institutionen geschuldet sei, widerspricht anderslautenden Thesen der älteren Forschung.

Der Vortrag findet im Rahmen des begleitenden Veranstaltungsprogramms zur  Sonderausstellung „Die Exekutionen müssen unauffällig im nächstgelegenen Konzentrationslager durchgeführt werden“, die Fotos der im KZ Sachsenhausen ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen zeigt. Sie ist noch bis zum 18. Juni 2017 im Neuen Museum der Gedenkstätte Sachsenhausen zu sehen (täglich von 8:30 bis 18:00 Uhr).

Begrüßung und Moderation: Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten