Feindbilder. Integrationsdebatte auf Abwegen

Beate Küpper, Karin Weiss, Ulrike Herrmann, Werner Schiffauer, Anna Spangenberg

Vorurteile aufgrund von Herkunft, Kultur, Religion und sozialer Stellung sind mit der "Hartz IV-Debatte" und der "Integrationsdebatte" mehr oder minder salonfähig geworden. Aber woher kommen diese Wünsche nach Ausgrenzung?

Diese Frage diskutierten am 14. Dezember 2010 in Potsdam Prof. Dr. Werner Schiffauer, Prof. Dr. Karin Weiss und Ulrike Herrmann nach einem Vortrag von Dr. Beate Küpper. Eingeladen hatten das Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und das Bündnis "Potsdam bekennt Farbe!".

Unterstützung sozialer Hierarchien

In ihrem Eingangsvortrag stellt Dr. Beate Küpper vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung die Ergebnisse der Langzeitstudie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" vor. Als zentrales Ergebnis arbeitet sie heraus, dass die Unterstützung sozialer Hierarchien Vorurteile gegen gesellschaftliche Gruppen verbindet und den Kern der Wünsche nach Ausgrenzung darstellt:

Transkription: Feindbilder. Teil 1

Ressentiments von Besserverdienenden

Die Bielefelder Studie zeigt, dass der Anteil der Bevölkerung, die Vorurteilen zustimmen, sich seit 2002 wenig verändert hat. Im zweiten Teil ihres Vortrags geht Beate Küpper auf die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise ein. Islamfeindlichkeit und die Propagierung von Etabliertenvorrechten haben danach bei Besserverdienenden, auch in traditionell liberalen Milieus, deutlich zugenommen:

Transkription: Feindbilder. Teil 2

Rechtfertigung sozialer Ungleichheit

In der Diskussion verweist die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann auf die Verachtung von Armen durch die Mittelschicht. Obwohl Etabliertenvorrechte den materiellen Interessen der mittleren Einkommensgruppen widersprächen, unterstützten diese die Verschärfung sozialer Ungleichheit. Der Kulturanthrologe Werner Schiffauer sieht in der Zuschreibung der Ursachen von Ungleichheit zur Kultur von Einwanderern einen Mechanismus zur Rechtfertigung sozialer Spaltung. Der neoliberale Diskurs mache Ungleichheit zu einem pädagogischen Problem, die politische Diskussion über Ausgrenzung werde verunmöglicht. In Brandenburg sieht die Integrationsbeauftragte Karin Weiss eine differenzierte Auseinandersetzung, in der es neben Ablehnung auch den Wunsch nach mehr Zuwanderung gibt:

Transkription: Feindbilder. Teil 3

Verteidigung von Privilegien

Karin Weiss analysiert die Zunahme von Vorurteilen in den hohen Einkommensgruppen als ein Indiz dafür, dass diese einen Konkurrenzdruck durch hochqualifizierte Zuwanderer verspüren und ihre Privilegien zu verteidigen suchen. Werner Schiffauer ergänzt, dass die deutsche Bevölkerung über Jahre davon profitiert habe, dass ein Großteil der Arbeitslosigkeit auf Einwanderer abgeschoben wurde. Ulrike Herrmann spitzt diesen Zusammenhang zu und argumentiert mit Verweis auf die Thesen Thilo Sarrazins, dass die Funktion von Vorurteilen gegen Arme und Einwanderer vor allem in der Sicherung von Priviliegien der Eliten liege:

Beteiligte