Aufruf: Gemeinsam blockieren

Donnerstag, 21. Januar 2010
Dresden Nazifrei

In dem Videobeitrag der Bündnisse "Dresden Nazifrei" und "No pasaran!" erklären Vertreterinnen und Vertreter der beiden Zusammenschlüsse, weshalb und wie sie eine Blockade des Aufmarsches der Neonazis am 13. Februar 2010 in Dresden planen.

 

Transkription

Kein Naziaufmarsch in Dresden - Gemeinsam blockieren

Katharina Hübner, No pasaran Der Nazi-Aufmarsch in Dresden ist der größte in ganz Europa. Hier schaffen es die Nazis aus verschiedenen Spektren, gemeinsam auf die Straße zu gehen. Altnazis genauso wie Burschenschaftler, Kameradschaften und sogar internationale Nazi-Delegationen kommen hier zusammen. Die Nazis nutzen die Trauer um den Verlust von Angehörigen und um die schöne Altstadt Dresdens als Plattform für ihre menschenverachtende Politik. Seit 1998 wächst der Aufmarsch der Nazis stetig an. Letztes Jahr haben sie es geschafft, 6.000 Leute auf die Straße zu bringen. Das hat für sie natürlich einen großen Symbolcharakter, und dieses Symbol sollten wir ihnen nehmen. Es ist der letzte große Aufmarsch in Europa und das sollten wir in diesem Jahr verhindern.

Katja Kipping, Bundestagsabgeordnete DIE LINKE, Dresden Die Nazis versuchen, über den 13. Februar die Geschichte umzuschreiben und Deutschland als Opfer darzustellen. Dieser Form von Geschichtsrevisionismus muss man einfach entgegen treten. Außerdem hat die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt: Wenn die Nazis ungehindert durch Dresden marschieren können, dann gibt ihnen das neuen Auftrieb. In den letzten Jahren hat es viele Versuche gegeben deutlich zu machen: Diese Stadt hat Nazis satt! Im letzten Jahr haben 10.000 Leute demonstriert, aber die Nazis sind trotzdem durch die Innenstadt durchmarschiert. Ich meine, es ist dieses Jahr an der Zeit, dass wir einen Schritt weitergehen und die Nazis wirklich stoppen.

Sprecher Wenn Nazis marschieren ist das eine unangehme Angelegenheit. Sie grölen faschistische Parolen, spielen grauenhafte Musik und sind auch sonst kein schöner Anblick. Zum Glück gibt es meistens Protest, der den Aufmarsch begleitet und versucht, ihn zu stoppen. Häufig ist es für die Polizei recht einfach, schmale Seitenstraßen abzusperren und so eine Blockade der Nazi-Route zu verhindern. Wir wollen versuchen, massenhaft und von allen Seiten den Startpunkt der Faschos zu erreichen. Wenn wir koordiniert und entschlossen vorgehen, wird uns dies auch gelingen. Die Polizei kann dann nicht mehr viel ausrichten und die Nazis sind eingekesselt. Sie müssen ihre Demo ins wasser fallen lassen. Also: Auf nach Dresden!

Henning, No pasaran In diesem Jahr werden wir ihnen nicht ungehindert das Feld überlassen. Wir werden mit tausenden Menschen verschiedener Spektren, Altergruppen und Hintergründe diesen Nazi-Aufmarsch blockieren. Wir werden uns durch die Polizeiketten hindurch fließen lassen, wir werden uns auf die Route der Nazis begeben und uns dort gemeinsam hinsetzen, unterhaken und verknoten. Wir werden den Nazis keinen Meter Raum geben. Wir werden uns ihnen entgegen stellen und wir werden dafür sorgen, dass der Nazi-Aufmarsch nicht reibungslos ablaufen wird.

Lena Roth, Dresden Nazifrei Das Mittel der Massenblockaden stellt einen kollektiven regelübertritt dar. Das heißt, es ist nichts weiter als eine Ordnungswidrigkeit. Mit nichts weiter meine ich, es ist etwas wie falsch parken. Eines der großen Probleme wird sein: Es wird kalt sein. Also bringt Tee mit, bringt Thermoskannen mit, zieht euch warm an, bringt irgendetwas zum Draufsitzen mit, damit wir dort lange, solidarisch miteinander sitzen.

Christoph Ellinghaus, Aktionsnetzwerk Jena Das Fest der Völker ist der Versuch der Nazis, ein europaweites Spektakel auf die Beine zu stellen. Das versuchen sie seit 2005 in Jena. 2007 haben wir einen so großen Widerstand geleistet, dass sie seitdem nicht mehr nach Jena kommen. Entscheidend für den Erfolg waren ein klares, offenes, transparentes Aktionskonzept und ein Aufruf von vielen Leuten aus der Zivilgesellschaft, die gesagt haben: Wir werden blockieren! Und für uns ist entscheidend nicht der Heldenmut Einzelner, sondern die Entschlossenheit vieler.

Katja Kipping Jena und Köln haben es vorgemacht: Man kann Nazi-Aufmärsche stoppen.

Christoph Ellinghaus Das geht auch in Dresden.

Katharina Hübner Wir werden gemeinsam und mit vielen Leuten entschlossen und effektiv den Nazi-Aufmarsch verhindern.

Lena Roth Wir werden uns den Nazis in den Weg stellen, denn blockieren ist unser Recht.

Text Am 13. Februar auf nach Dresden - No pasaran! Sie kommen nicht durch - www.no-pasaran.mobi - www.dresden-nazifrei.de - Dresden Nazifrei, Erstunterzeichner: Es folgt die Liste der Unterzeichnenden