Wissenswertes: Abwanderung

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Die Abwanderung junger Menschen ist kein Schicksal und führt schon gar nicht zu einem "Volkstod", von dem Neonazis fantasieren. Die Wissenschaftlerinnen Heike Liebmann und Christiane Dienel erläutern Ursachen und Möglichkeiten, wie ländliche Räume ihre Zukunft angesichts von Wanderungsbewegungen gestalten können.

Wissenwertes über: Abwanderung
Holger Siemann, 2010, 15:00 Minuten, Mitarbeit: Bettina Döbereiner

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Inhalt

Von Abwanderung sind alle Berlin-fernen Gemeinden Brandenburgs betroffen. Für Heike Liebmann haben diese ländlichen Regionen dennoch viele Vorzüge, die sie ausspielen können, um Rückkehrer und Zuzügler anzuziehen. Wichtig sei, Lebenskünstler, Kreative und Zuwanderer willkommen zu heißen. Denn die machen nicht nur das Gemeinwesen interessanter, sie engagieren sich auch für die Regionen, in denen sie sich niederlassen, betont Christiane Dienel. Rechtsextreme Strukturen sind dagegen nicht nur schlecht für die Zuwanderung, sie verschärfen auch die Abwanderung junger Frauen.

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Sprecher Alles hatte so verheißungsvoll angefangen. Kaum eine Gemeinde in Brandenburg gab es, die nicht nach der Wende Gewerbeflächen ausgewiesen und Wohngebiete für glückliche Neuankömmlinge in blühenden Landschaften geplant hätte. Enttäuscht und wütend angesichts gebrochener Versprechen meint bis heute mancher, dass allein die Wende Schuld an der Zerstörung überkommener Lebensverhältnisse im Osten trägt.

Christiane Dienel Dieser Strukturwandel wurde natürlich in Ostdeutschland, durch die Wende, durch die Jahre nach 1989 sehr stark beschleunigt, aber er steht in einem europäischen Kontext. Also auch in anderen ländlichen Regionen, wo es gar keine Teilung und anschließende Wiedervereinigung gab, gibt es trotzdem einen Strukturwandel und der ist auch in vielem ganz ähnlich wie in Brandenburg.

Sprecher Christiane Dienel ist Präsidentin der niedersächsischen Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst. Strukturwandel und Abwanderung sind Schwerpunkte ihrer Forschungsarbeit.

Christiane Dienel Abwanderung betrifft längst nicht nur die ostdeutschen Bundesländer. Das ist etwas, mit dem alle ländlichen Räume in Deutschland und in Europa zu kämpfen haben. Das ist ganz genauso in Oberfranken, im südlichen Niedersachsen, das hat mit West-Ost nicht viel zu tun.

Sprecher Eine weitere Wissenschaftlerin, die schon seit den 90er Jahren für mehr Realismus in Fragen der Strukturpolitik kämpft, ist Heike Liebmann, Abteilungsleiterin im Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner. Sie erinnert sich, wie schwer es war, die eigentlich offensichtlichen Probleme nach der Wende ins Gesichtsfeld der Politik zu heben.

Heike Liebmann Es ist ja nicht so ganz einfach, über Prozesse zu diskutieren, die da erst mal nicht Wachstum heißen. Auch wir als Forschungsinstitut haben Anfang der 90er Jahre, das, was an Schrumpfungsproblemen, Leerstandsproblemen auf die Städte zukommen würde, bei weitem unterschätzt. Und erst seit Mitte der 90er Jahre, man kann eigentlich sagen: seit Ende der 90er Jahre, hat sich die Diskussion allmählich auf das Thema Schrumpfung, Strukturwandel, Abwanderung stärker fokussiert. Trotzdem brauchte es eine ganze Weile, ehe man eine Offenheit, eine Bereitschaft hat, den Problemen ins Auge zu sehen. Erst in dem Moment, in dem es nicht mehr wie eine Krankheit einer einzelnen Stadt aussah, konnte man sich eher zu dem Thema bekennen, eher damit auseinandersetzen.

Sprecher Manche Gemeinde und mancher Kommunalpolitiker hoffen bis heute auf ein Wunder von oben oder von außen, auf Fördergelder, Investitionsprogramme oder Großinvestoren.

Heike Liebmann Es mag diesen Glücksfall geben, dass der Investor vorbeikommt und gerade hier sich niederlässt, aber eigentlich müssen wir uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen und müssen uns viel stärker darauf orientieren: Was haben wir hier eigentlich zu bieten in der Stadt? Wir haben eine fantastische historische Innenstadt, wir haben ein kulturelles Erbe, das seinesgleichen sucht, das zu entwickeln wäre und auch zu vermarkten ist. Wir haben ein naturräumliches Umland mit Wasser, Wald, alles, was das Herz begehrt. Wir haben die Nähe zu Berlin, so kann man sich auch als Wohnstandort profilieren. Dieses Erkennen, wo sind denn eigentlich Stärken, die man von innen heraus entwickeln kann, das braucht manchmal etwas Zeit, aber das ist der Erfolg versprechendere Weg als das Hoffen, da kommt jemand von außen, der wird uns unterstützen, der wird uns helfen.

Sprecher Schwierig wird das Herausziehen am eigenen Schopf, wenn die Menschen nicht mitmachen. Eine der merkwürdigsten Erscheinungsformen der Abwanderung wird von Wissenschaftlern "gestörte Sexualproportion" genannt: Die Mädchen ziehen fort, die jungen Männer bleiben im wahrsten Sinne zurück. In manchen Gegenden Brandenburgs kommen inzwischen bei den 20 bis 30-Jährigen zehn Männer auf nur noch sieben Frauen.

Christiane Dienel Es ist überall so, junge Frauen wandern leichter ab als junge Männer. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ganz simpel: Junge Frauen trauen sich einfach eher zu, einen Haushalt alleine zu führen. Die können das. Die können kochen, die wissen, wie so was geht, während junge Männer da oft noch bisschen unselbständig sind. Dann: Wie schafft man es, sich anderswo erfolgreich zu bewerben? Dafür braucht man gute Noten, und durch die Bank haben junge Frauen und junge Mädchen bessere Noten als die Jungs. Damit haben sie eine bessere Chance, sich woanders zu bewerben.

Sprecher Da kann man schon ärgerlich werden als zurückgebliebener Mann. Und nicht wenige zwischen Spremberg und Perleberg machen Ausländer, den Westen und die Globalisierung für die Abwanderung verantwortlich. Dabei haben sie selbst mehr damit zu tun, als sie glauben.

Christiane Dienel Dieses Thema Partnerwahl für junge Frauen ... Das kam öfter in unseren Interviews vor, dass junge Frauen eben nicht nur abwandern, weil sie keinen passenden Arbeitsplatz finden, sondern auch weil sie keinen passenden Partner finden. Das hängt natürlich auch mit dem Frauenbild zusammen, das in dieser rechtsgerichteten Jugendszene in ist. In ländlichen Räumen gibt es ja häufig gar keine Alternative, die einzige Jugendclique ist so ein bisschen rechts. Und ein Mädchen, das nun in den Nachbarort fährt und Abitur macht, trifft dann auf die Clique zu Hause, wo so eine Mädelmode eher in ist, und wo so ein Frauenbild herrscht. Der ist sofort klar: Hier finde ich nie einen Partner, hier die Kerle sind nichts für mich, nicht mein Niveau. Und dann gehen sie. Das ist ein nicht ganz unwichtiger Faktor für die Abwanderung von Frauen, gerade von jungen Frauen, dass sie spüren: Hier kann ich mein Glück nicht finden. Ohne dass die jetzt alle NPD-Wähler wären oder so etwas, einfach der Stil, das ist ein richtiger Push-Faktor, um die jungen Mädchen wegzujagen.

Sprecher Wenn sie sich in der Schule mehr und länger mühen würden, könnten junge Männer nicht nur Mädchen kennenlernen, sondern auch etwas über ihre eigene Herkunft und die Strategie des Anlockens und Festhaltens erfahren, die die Hohenzollern über Jahrhunderte perfektioniert haben. Es waren die von ihnen ins Land geholten Fremden, darunter viele Holländer, Juden, Franzosen und Polen, die nach den verheerenden Kriegen und Seuchen des Mittelalters die "Streusandbüchse des Reiches", wie Brandenburg damals genannt wurde, wieder mit Leben füllten.

Christiane Dienel Ein wichtiger Faktor für ostdeutsche Städte, warum sie weniger attraktiv sind, ist der zu geringe Ausländeranteil, beispielsweise. Denn erst eine gewisse Diversität in der Bevölkerung erzeugt das, was man ein spannendes, interessantes Klima nennt; das ist das, was junge Leute wollen. Das kann man ziemlich deutlich sehen: Je niedriger der Ausländeranteil ist, desto mehr Menschen wandern ab. Das ist vielleicht nicht ganz das, was man erwarten würde, aber es lässt sich ziemlich klar statistisch beweisen. Das heißt, man bräuchte eigentlich auch Zuwanderung von sehr unterschiedlichen Menschen, damit das Klima gerade für junge Leute interessant wird.

Sprecher Medien und Öffentlichkeit haben sich daran gewöhnt, in Ausländern eher Probleme zu sehen und die Chancen zu ignorieren. Zumindest in Brandenburg liegt der Grund dafür ganz sicher nicht in den Belastungen durch zu hohe Zuwanderungsraten. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung beträgt in Brandenburg gerade einmal 2,6 Prozent, Tendenz: sinkend. Und kaum eine Gemeinde bemüht sich um Steigerung.

Christiane Dienel Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind zum einen oft gesuchte Fachkräfte. Dann sind sie einfach Menschen, die da sind, während andere weggehen, Menschen, die gerne dort leben wollen. Dann: Sie tragen bei zu der Farbigkeit, der Lebendigkeit ihrer Region, und dieser Eindruck "Hier ist es langweilig, hier passiert nichts" entsteht nicht so leicht. Das ist ganz wichtig, auch für deutsche Jugendliche, zu sehen: Hier gibt es einen Inder und hier gibt es ein Festival, hier hört man mal südamerikanische Musik.

Sprecher Aber es geht nicht nur um Essen, Trinken und Folklore. Unternehmer wissen, wie schwierig es für kleine und mittelständische Betriebe ist, Geschäftsbeziehungen ins Ausland zu knüpfen und zu unterhalten.

Christiane Dienel Deutschland ist eine Exportnation. Wir brauchen diese Brücken in alle Welt. Und solche Brücken sind menschliche Brücken, das sind menschliche Beziehungen, die bestehen zwischen Menschen, die zugewandert sind und welchen, die hier sind.

Sprecher Wie absurd mutet dagegen der rechtsextreme Traum von "national befreiten Zonen" an: Keine Ausländer, keine Schwulen, keine Juden - nur noch junge Männer mit mangelhafter Bildung, die an nicht mehr bedienten Bushaltestellen warten.

Christiane Dienel Ich glaube, dass ein lebendiger ländlicher Raum eben nur funktioniert, wenn er total offen ist für Globalisierung, für neue Leute, die kommen, für ein Hin- und Hergehen, für die Zugezogenen. Und ich glaube, dass ländliche Orte zum Untergang verdammt sind, wenn sie zumachen gegen die Neuen, dann werden sie keine Chance haben. Denn es wird diese jungen Leute nicht geben, die einfach dort bleiben und die es dann genauso weitermachen, wie es die Vorväter getan haben. Ich glaube, diese Orte haben keine Chance, sondern die haben eine Chance, die sich öffnen für diese radikale Modernisierung.

Sprecher Aber ist es nicht zu spät, wenn die jungen Leute schon weg sind, wenn sie in Hamburg oder München zum Inder gehen und im besten Falle Weihnachten ihr altes Zuhause besuchen?

Christiane Dienel Ich glaube, es ist nicht sinnvoll, Menschen am Abwandern zu hindern; im Gegenteil, es ist auch gut, dass junge Leute 'raus gehen und was anderes erleben. Es ist außerdem auch interessant, dass nicht nur die Landeskinder wieder kommen, sondern auch andere. So ein spannender Punkt ist ja auch, dass junge Leute gern ein anregendes Umfeld erleben wollen. Also wenn die es irgendwo langweilig finden, dann möchten sie nicht bleiben. Oder sie finden es irgendwo spannend, und dieses spannend bedeutet immer auch ein Stück unterschiedlich.

Sprecher Seit 2005 hat sich die Gesamtzahl der Einwohner in Brandenburg nur noch wenig verändert. Regional jedoch verstärkt sich die Differenzierung, weil die Bevölkerung in den Kreisen um Berlin und Potsdam weiter wächst, während sie in Nordbrandenburg und den südöstlichen Kreisen schrumpft.

Heike Liebmann Ein ganz anderer Prozess, den wir in Ostdeutschland auch beobachten, ist, dass - wir nennen sie Raumpioniere - Menschen in Räume gehen und sagen: Wir finden das gerade toll, dass wir eben nicht dieses permanente höher, schneller, weiter, dichter, urbaner, enger Aufeinanderleben haben, sondern gerade das, was wir vorfinden - freie Räume, Gestaltungsspielraum, Entwicklungsmöglichkeiten - für uns eine Chance ist, um eine andere Form von Leben für uns und unsere Familien zu ermöglichen.

Sprecher Manch Alteingesessener mag sich erst mal die Augen reiben, wenn junge Leute kommen statt Investoren, wenn sie Ideen mitbringen statt Kapital und wenn sie eher sich selbst verwirklichen wollen als die Pläne für's Gewerbegebiet. Aber vielleicht ist eine bunte Zukunft ja besser als keine.

Heike Liebmann Daraus können sich gerade für die Städte in Ostdeutschland natürlich auch Chancen ergeben in Form von Flächen, die für Jungunternehmer, für Künstler, für Initiativen, für Leute, die sich einfach mal ausprobieren wollen, zur Verfügung gestellt werden - im Sinn von Zwischennutzungen für einen ganz geringen Preis, für die Betriebskosten. Orte, wo man auch mal ein Scheitern zulassen kann, wo auf der anderen Seite auch die Claims noch nicht so abgesteckt sind, wie wir das vielleicht in vielen westdeutschen Städten haben, dass eigentlich jedes Feld schon irgendwo aufgeteilt ist.

Sprecher Wem das zu sehr nach Anarchie klingt, der möge sich in der Geschichte kundig machen: Schon zu hohenzollernschen Zeiten waren es die Zuwanderer in Brandenburg, die sich für ihre neue Heimat besonders engagierten, weil sie ihr ein selbstbestimmtes Leben verdankten. Fontane beispielsweise, der mit den Wanderungen durch die Mark oder dem Stechlin Hohelieder der Heimatliebe schrieb.

Christiane Dienel Vor der Globalisierung, denke ich, brauchen ländliche Räume überhaupt keine Angst zu haben auch dadurch, dass elektronische Kommunikation so viel einfacher geworden ist. Durch Mobilität verändert sich ja die Struktur von Arbeitsbeziehungen. Durch das Internet kann ein Shop auch genauso im ländlichen Raum liegen und in die ganze Welt liefern. Genauso können kreative Berufe in internationalen Teams zusammenarbeiten, ohne dass das an der räumlichen Lage liegt.

Sprecher Vorausgesetzt natürlich, es gibt ein schnelles Internet. Bisher zeigte der Breitband-Atlas der Bundesregierung in Brandenburg erhebliche Versorgungslücken. Erst 2009, bei der Verteilung freigewordener Rundfunkfrequenzen - der so genannten digitalen Dividende - sind die Versorger verpflichtet worden, ländliche Gebiete vorrangig zu erschließen.

Christiane Dienel Immer mehr Menschen haben ja auch zwei räumliche Identitäten, die sind vielleicht zwei Tage die Woche in Hamburg und den Rest der Woche in ihrem Heimatort auf dem Lande, wo sie sich auch ausleben können. Und dieser zunehmende Individualismus ist ja was, was auch für den ländlichen Raum toll ist. Dort gibt es Raum, dort gibt es Platz, dort kann man etwas losmachen, sein eigenes Leben leben. Ich habe den Eindruck, dass diese Veränderungen des Arbeitsmarktes und der Art zusammenzuarbeiten, eine Chance ist für ländliche Räume, weil eben diese alte Vorstellung, hier ist die Fabrik und daneben muss ich wohnen, das ist ja in kompletter Auflösung begriffen.

Sprecher Werden brandenburgische Städte und Gemeinden also künftig ohne Auto nicht mehr bewohnbar sein, weil alle Menschen ständig unterwegs sind, mit dem Kopf in den Wolken, total global und ohne Wurzeln? Oder gibt es auch in Zukunft noch so etwas Altmodisches wie Heimatliebe?

Christiane Dienel Wenn ich eine Fußballmannschaft trainiere, dann möchte ich auch sehen, ob sie in der nächsten Saison besser wird, dann gehe ich nicht mehr so einfach weg. Oder: Wenn ich einen Garten habe und dort einen Baum pflanze, dann möchte ich auch dessen Früchte ernten. Also bleibe ich. Das heißt: Alles das, was bindet und was langfristige Verantwortungsübernahme ist, das hält auch Menschen in der Region. Das kann man auch ganz deutlich sehen: Die die abwandern, haben viel weniger ehrenamtliches Engagement gehabt als die, die bleiben.

Sprecher Es gibt zahlreiche Beispiele in Brandenburg, wo Bürger sich nicht länger in Lamentieren und Fordern erschöpfen wollen, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Heike Liebmann Gleichzeitig brauche ich manchmal aber auch in den Verwaltungen noch viel stärker das Verständnis, Engagement zu ermöglichen. Da geht's nicht darum, von der Verwaltung Engagement anzuschieben, sondern die Freiräume, die Spielräume zu lassen, die Engagement möglich machen.

Sprecher Gemeinden und Kommunen brauchen dafür keine großen Investitionsmittel. Und was sonst noch können wir tun, um die Chancen, die sich aus der Bevölkerungswanderung ergeben, zu nutzen?

Christiane Dienel Sicherlich alles, was Familienfreundlichkeit fördert, was es leicht macht, sich für Kinder zu entscheiden, denn Familie zu haben, das ist immer so ein starker Haltefaktor. Dann für die, die abwandern, so was wie eine Kontaktagentur, also eine Möglichkeit, mit der alten Heimat in Kontakt zu bleiben. Wenn ich eine kleine Kommune wäre in Ostdeutschland, ich würde allen meinen jungen Leuten, die sich beim Einwohnermeldeamt abmelden, einen Brief hinterherschicken: Toll, dass Ihr abwandert, wir sind gespannt, was Ihr erfahren werdet, hier sind die Adressen, hier sind die Angebote, wir machen unseren Abwanderungstreff, einmal im Jahr, Silvester, kommt doch alle. Einfach Kontakt halten, damit das Netzwerk stabil bleibt. Denn das sind die Netzwerke, an denen die Leute dann auch vielleicht mal zurückkommen später.

Sprecher Vielleicht haben wir mit unseren Beitrag ein paar Fragen beantworten und Möglichkeiten aufzeigen können. Abwanderung jedenfalls ist kein Todesurteil für eine Region. Finnland oder Spanien machen vor, wie Infrastrukturen auch in sehr dünn besiedelten Gebieten funktionieren können. Und eins ist sicher: Auch in Zukunft bleibt nichts, wie es war.